Artikel1.5.2026

Der böse Kanzler sagt Basisabsicherung. Aber ist das wirklich falsch?

Gesetzliche Rente 2026: Warum „Basisabsicherung" für viele leider ziemlich realistisch ist

Die Aussage von Friedrich Merz, dass die gesetzliche Rente für viele Menschen künftig eher eine Basisabsicherung sein wird, hat ordentlich Wellen geschlagen. Viele regen sich darüber auf, als wäre damit plötzlich ein neues Problem entstanden. Ich sehe das etwas anders. Neu ist nicht die Aussage. Neu ist eher, dass es ein Bundeskanzler so offen ausspricht. Denn wer sich schon länger mit gesetzlicher Rente, privater Altersvorsorge, Rentenniveau, demografischem Wandel und echter Ruhestandsplanung beschäftigt, weiß: Das Thema liegt nicht erst seit gestern auf dem Tisch.

Man muss Merz nicht mögen. Ich mag ihn auch nicht besonders. Aber nur weil einem der Absender nicht passt, wird der Inhalt nicht automatisch falsch. Die gesetzliche Rente ist wichtig, keine Frage. Sie ist für viele Menschen der zentrale Baustein der Altersvorsorge. Aber sie ist eben kein Vollkasko-Versprechen für den Lebensstandard im Alter. Und genau hier entsteht bei vielen Menschen eine gefährliche Lücke zwischen Erwartung und Realität.

Das Rentenniveau: Was die Zahlen wirklich bedeuten

Aktuell liegt das Rentenniveau bei 48 Prozent und diese Haltelinie soll nach aktueller Rechtslage bis 2031 gelten. Wichtig ist aber: Dieses Rentenniveau bedeutet nicht, dass du später 48 Prozent deines letzten Nettogehalts bekommst. Es ist eine statistische Größe, die sich auf eine Standardrente nach 45 Beitragsjahren mit Durchschnittsverdienst bezieht. Und jetzt mal ehrlich: Wie viele Erwerbsbiografien laufen heute noch so geradlinig? Elternzeit, Teilzeit, Selbstständigkeit, Jobwechsel, Phasen mit niedrigerem Einkommen, Krankheit oder Arbeitslosigkeit verändern die persönliche gesetzliche Rente oft deutlich. Genau deshalb ist die eigene Rentenlücke für viele Menschen größer, als sie denken.

Basisabsicherung: Ein hartes, aber ehrliches Wort

Wenn man das einmal nüchtern betrachtet, ist der Begriff Basisabsicherung gar nicht so abwegig. Er klingt hart, aber er beschreibt ziemlich gut, was die gesetzliche Rente für viele später leisten kann: eine Grundlage. Nicht nichts. Aber eben auch nicht automatisch genug, um den bisherigen Lebensstandard zu halten. Und zwischen „ich komme irgendwie durch" und „ich kann im Alter so leben, wie ich es mir wünsche" liegt finanziell oft eine ziemlich große Strecke.

Private Altersvorsorge 2026: Kein Luxus mehr, sondern Notwendigkeit

Genau deshalb ist private Altersvorsorge 2026 kein Luxus-Thema mehr. Es ist auch kein Thema nur für Finanznerds, ETF-Fans oder Menschen mit hohem Einkommen. Es betrifft Familien, Angestellte, Selbstständige, Alleinerziehende, junge Berufseinsteiger und auch Menschen Mitte 40, die langsam merken, dass Altersvorsorge kein abstraktes Zukunftsthema mehr ist. Wer später mehr möchte als nur das gesetzliche Minimum, muss sich kümmern. Nicht irgendwann. Sondern rechtzeitig.

Die politische Verantwortung: Zwischen Eigenverantwortung und Sicherung

Das heißt aber nicht, dass ich jede politische Entwicklung in dem Bereich gut finde. Ich bin absolut für Eigenverantwortung. Ich bin für Kapitalmarkt. Ich bin für langfristigen Vermögensaufbau mit ETFs, Fonds, Fondspolicen oder anderen passenden Lösungen. Aber ich finde es trotzdem schwach, wenn die politische Antwort am Ende immer stärker in Richtung „macht mal selbst" geht. Private Vorsorge ist wichtig. Vielleicht wichtiger denn je. Aber sie darf nicht zur Ausrede werden, dass die gesetzliche Rente für viele Menschen nur noch das absolute Fundament absichert.

Riester: Ein warnendes Beispiel

Riester war dafür eigentlich schon das beste Beispiel. Die Idee war nicht komplett falsch: Der Staat fördert private Altersvorsorge, damit Menschen zusätzlich zur gesetzlichen Rente Vermögen aufbauen. Klingt erstmal vernünftig. In der Praxis war Riester aber für viele ein ziemliches Bürokratie-Monster. Zu kompliziert, oft zu teuer, zu wenig flexibel und in vielen Fällen auch nicht besonders renditestark. Ja, es gab Konstellationen, in denen Riester sinnvoll sein konnte. Zum Beispiel bei Familien mit mehreren Kindern, kleinerem Einkommen und voller Zulage. Die klassische Muddi mit vielen Kindern, wenn man es mal etwas salopp sagen will. Aber für viele andere war Riester am Ende eher ein politisch verkauftes Produkt als ein wirklich starkes Vorsorgemodell.

Mein größtes Problem war dabei nie die Förderung an sich. Mein Problem war, dass Förderung viel zu oft mit „lohnt sich automatisch" verwechselt wurde. Und genau das ist gefährlich. Eine Zulage ist schön. Ein Steuervorteil klingt gut. Aber wenn die Kosten hoch sind, die Rendite schwach ist, die Flexibilität fehlt und in der Auszahlungsphase noch Steuern dazukommen, dann muss man einfach ehrlich rechnen. Nicht vorne auf dem Flyer. Sondern bis hinten raus. Genau da wurde in der Vergangenheit viel zu oft geschludert. Und ja, da haben sich auch viele sogenannte Berater nicht mit Ruhm bekleckert. Hauptsache Abschluss. Hauptsache Provision. Hauptsache Produkt verkauft. Aber ob es für den Kunden langfristig wirklich gut war, wurde viel zu selten kritisch geprüft.

Das Altersvorsorgedepot: Der nächste Anlauf

Jetzt kommt mit dem Altersvorsorgedepot der nächste große Anlauf. Und grundsätzlich finde ich das Thema spannend. Mehr Kapitalmarkt in der Altersvorsorge ist richtig. Eine geförderte ETF-Altersvorsorge kann gerade für Menschen mit kleinen Sparraten oder Familien mit Kindern interessant sein. Nach aktueller Reformlogik sollen Familien besonders profitieren, unter anderem durch eine Kinderzulage von 300 Euro pro Kind und Jahr, die bereits bei 25 Euro monatlichem Sparbeitrag erreicht werden soll. Das ist als Förderhebel natürlich nicht uninteressant, gerade wenn man nicht jeden Monat riesige Beträge investieren kann.

Trotzdem würde ich auch beim Altersvorsorgedepot nicht direkt in Jubel ausbrechen. Nicht, weil Kapitalmarkt schlecht wäre. Im Gegenteil. Sondern weil wir in Deutschland gerne neue Vorsorgeprodukte politisch hübsch verpacken und am Ende wieder viele Menschen nur auf die Förderung schauen. Förderung ist aber nicht automatisch Rendite. Und Rendite ist nicht automatisch das, was später netto bei dir ankommt. Entscheidend ist immer die Frage: Was bleibt nach Kosten, Steuern, Inflation und Auszahlungslogik wirklich übrig?

Ehrliche Beratung statt Schönrechnerei

Genau das ist für mich der wichtigste Punkt in der Altersvorsorgeberatung. Nicht die schönste Hochglanzrechnung gewinnt. Nicht das Produkt mit der lautesten Werbung. Nicht automatisch das Depot. Nicht automatisch die Fondspolice. Nicht automatisch die betriebliche Altersvorsorge. Und auch nicht automatisch das neue Altersvorsorgedepot. Entscheidend ist, welche Lösung zu deiner Situation passt, wie flexibel du bleiben möchtest, welche steuerliche Behandlung greift, welche Kosten entstehen und wie realistisch die Annahmen sind.

Viele Vergleiche in der Altersvorsorge sind auf den ersten Blick beeindruckend, aber auf den zweiten Blick ziemlich dünn. Da wird mit 8 Prozent Rendite gerechnet, aber Kosten werden weichgespült. Da wird die Förderung groß gezeigt, aber die spätere Besteuerung klein gerechnet. Da wird eine Ablaufleistung präsentiert, aber nicht erklärt, wie viel davon wirklich verfügbar ist. Da werden Brutto-Werte gefeiert, obwohl dein Leben später nicht von Brutto bezahlt wird. Miete, Essen, Reisen, Hobbys, Familie, Gesundheit und Pflege zahlst du netto. Also muss auch Altersvorsorge netto gedacht werden.

Und genau hier trennt sich Marketing von echter Beratung. Ein guter Vergleich muss nicht das Ergebnis liefern, das man vorher gerne hätte. Er muss ehrlich sein. Manchmal gewinnt im Vergleich ein normales ETF-Depot, weil es günstig, flexibel und transparent ist. Manchmal kann eine Fondspolice steuerlich und strukturell Sinn ergeben, vor allem bei langer Laufzeit, sauberem Produkt und passender Auszahlungsstrategie. Manchmal kann betriebliche Altersvorsorge stark sein, wenn Arbeitgeberzuschuss, Steuerersparnis und spätere Abgaben sauber berücksichtigt werden. Und manchmal kann auch ein gefördertes Altersvorsorgedepot spannend sein, gerade bei Familien und kleineren Sparraten. Aber eben nicht blind. Sondern gerechnet.

Das größte Problem: Verständnis statt Verwirrung

Ich glaube, genau das fehlt vielen Menschen: nicht der Wille zur Altersvorsorge, sondern eine verständliche Einordnung. Viele wissen, dass sie etwas tun müssten. Aber sie wissen nicht, womit sie anfangen sollen. Gesetzliche Rente, Renteninformation, Rentenlücke, ETF-Sparplan, Fondspolice, Riester, Rürup, betriebliche Altersvorsorge, Altersvorsorgedepot, Steuern, Zulagen, Kapitalmarkt, Risiko, Inflation — das ist für viele einfach zu viel auf einmal. Also wird es weggeschoben. Verständlich, aber gefährlich.

Zeit ist der größte Hebel

Denn Nichtstun ist auch eine Entscheidung. Nur meistens keine gute. Wer mit 30, 35 oder 40 sagt „ich kümmere mich später", der zahlt später oft entweder deutlich höhere Sparraten oder muss seine Erwartungen an den Ruhestand senken. Zeit ist in der Altersvorsorge brutal wichtig. Nicht, weil man damit garantiert reich wird, sondern weil der Zinseszinseffekt Zeit braucht. Je früher Geld sinnvoll investiert wird, desto stärker kann es langfristig arbeiten. Gerade bei ETF-Altersvorsorge und kapitalmarktnahen Lösungen ist Zeit einer der größten Hebel überhaupt.

Trotzdem sollte niemand panisch irgendein Produkt abschließen, nur weil die Rentendiskussion gerade wieder hochkocht. Das wäre der nächste Fehler. Altersvorsorge braucht keinen Schnellschuss. Sie braucht eine vernünftige Analyse. Was kommt aus der gesetzlichen Rente? Welche Rentenlücke entsteht realistisch? Welche Ziele hast du für den Ruhestand? Wie viel Risiko kannst und willst du tragen? Wie wichtig ist Flexibilität? Wie sieht deine Familiensituation aus? Welche steuerlichen Effekte spielen eine Rolle? Und welche Kosten frisst das Produkt über die Jahre auf?

Fazit: Fundament statt Vollkasko

Für mich ist die Aussage rund um die gesetzliche Rente deshalb kein Grund für Panik, aber ein ziemlich guter Weckruf. Nicht im Sinne von „der Staat lässt dich komplett allein", sondern eher im Sinne von: Verlass dich nicht blind darauf, dass später schon alles reichen wird. Die gesetzliche Rente bleibt wichtig, aber sie wird für viele eher Fundament als fertiges Haus sein. Und wenn du im Alter mehr willst als nur dieses Fundament, musst du selbst Bausteine ergänzen.

Mein Fazit ist deshalb ziemlich einfach: Die gesetzliche Rente ist nicht tot, aber sie wird für viele Menschen keine vollständige Lebensstandard-Sicherung sein. Private Altersvorsorge wird wichtiger. Kapitalmarkt wird wichtiger. Finanzbildung wird wichtiger. Und ehrliche Netto-Betrachtung wird wichtiger als jede schöne Beispielrechnung. Wer nur auf Förderung schaut, denkt zu kurz. Wer nur auf Kosten schaut, denkt manchmal auch zu kurz. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Rendite, Risiko, Kosten, Steuern, Flexibilität und persönlicher Lebensplanung.

Ganzheitliche Altersvorsorge: Das System betrachten

Wenn du deine Altersvorsorge wirklich verstehen willst, dann schau nicht nur auf ein Produkt. Schau auf dein gesamtes System. Gesetzliche Rente, private Altersvorsorge, ETF-Depot, Fondspolice, betriebliche Vorsorge, Liquidität, Absicherung und Steuern gehören zusammen betrachtet. Genau da entsteht Klarheit. Und genau da merkt man auch, ob ein Produkt wirklich zu dir passt oder nur gut verkauft wurde.

Am Ende geht es nicht darum, ob Merz recht hat oder nicht. Es geht darum, ob du deine eigene Rentenlücke kennst. Ob du weißt, was später wirklich netto bei dir ankommt. Und ob du heute schon die richtigen Entscheidungen triffst, damit du im Alter nicht nur irgendwie klarkommst, sondern dein Leben möglichst frei gestalten kannst.

Denn Altersvorsorge ist zu wichtig, um sie Politikern, Produktflyern oder schönen Hochrechnungen zu überlassen.

Deine nächsten Schritte

Wenn du das für dich einmal vernünftig durchrechnen möchtest, helfe ich dir gern dabei, verschiedene Wege ehrlich miteinander zu vergleichen. Depot, Fondspolice, betriebliche Altersvorsorge oder gefördertes Altersvorsorgedepot. Nicht mit Produktromantik. Nicht mit Schönrechnerei. Sondern so, dass du am Ende wirklich verstehst, welcher Weg für dich sinnvoll sein kann.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Altersvorsorge zu dir passt, hängt unter anderem von deiner persönlichen Situation, deiner Risikobereitschaft, deinen Zielen, deiner Steuerbelastung, deiner Familiensituation und deinem Anlagehorizont ab.

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